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GESCHICHTE DER KURZSCHRIFT
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Schon seit der Antike hat der Mensch das Bedürfnis, seinen
Alltag, seine Gespräche und vor allem seine Geschichte für
die Nachwelt festzuhalten. Neben kunstvollen Zeichnungen entstanden
auch Zeichen und Schriften, um diesem Bedürfnis nachzukommen.
Bald bemerkte man, dass die geschaffenen Zeichnen wohl kunstvoll
waren, aber das gesprochene Wort nicht schnell genug festgehalten
werden konnte. Schon bald wurde versucht, mit Kurzschriften, d.
h. Stenografie, die mühselige Arbeit zu vereinfachen und
damit das Gehörte schneller zu schreiben. Die nachstehenden
Beiträge geben einen kleinen Einblick in die Geschichte und
Entwicklung der Stenografie, aber auch über die Verwendung
der Stenografie in unserer Zeit.
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| > Vorgeschichte |
> Biografien |
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Römer,
Griechen oder Ägypter? Von den Griechen besitzen wir den Akropolisstein
aus dem vierten Jahrhundert vor Christus, der von einer frühen
Silbenschrift Kunde gibt, die sicher eine wesentliche Verkürzung
der Langschrift war. Doch wir wissen wenig über deren Anwendung
und Verbreitung.
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Die römische Stenografie
Die erste Kurzschrift, die wir vollständig kennen und über
deren Verwendung wir Genaueres wissen, wird > Tironische
Noten genannt. Geschaffen hat sie der Geheimschreiber Marcus
Tullius Tiro, erst Sklave, dann Freigelassener von Cicero.
Tiro hat, um das gesprochene Wort genau festzuhalten, ein besonderes
ABC einfacher Zeichen zusammengestellt. Auch verwendete er häufig
wiederkehrende Wörter und Silben, Sonderzeichen und fixe
Zeichen. Er brauchte schon die Punktierung und Durchkreuzung,
die in unserer Stenografie nach > Stolze-Schrey
in der Eil- und Redeschrift eine Rolle spielt. Heute sind uns
etwa 12000 Tironische Noten bekannt.
Tiro benützte mit Wachs überzogene Holztäfelchen,
in das die Zeichen mit einem spitzen Griffel aus Metall oder Elfenbein
eingeritzt wurden. Fast unglaublich, dass man damit grosse Geschwindigkeiten
erzielen konnte! Einige stenografierte Aufzeichnungen von Reden
aus dem antiken römischen Senat sind dank der stenografischen
Noten bis heute erhalten geblieben.
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Stenografie bis ins 11. Jahrhundert
Latein war die Sprache der Gebildeten, und mit der Sprache wurde
die Stenografie auch nach dem Untergang des römischen Weltreiches
angewandt. Aus den Kanzleien des Frankenreiches der Merowinger
(5. bis 8. Jahrhundert) bewiesen zahlreiche Urkunden mit Vermerken
in Kurzschrift, dass die leitenden Beamten sie in glänzender
Weise beherrschten. Diese Tradition setzte sich in den karolingischen
Kanzleien fort bis ins 11. Jahrhundert.
Erst als das Latein durch die aufkommenden Nationalsprachen zurückgedrängt
wurde, geriet die altrömische Parlamentsstenografie in Vergessenheit.
Im späteren Mittelalter erlischt die Stenografie ganz. Auch
die Kreuzzüge der deutschen Kaiser und die vielen Kriege
erstickten zum Teil das wissenschaftliche Interesse. So ist bis
ins 15.Jahrhundert von einer Kurzschrift nichts mehr zu hören.
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Noch mehr Geschichte?
Patrick Koller hat seine Matuararbeit über die Geschichte der
Stenografie geschrieben. Diese Arbeit "Stenografie -
Geschichte und Anwendung" (aus dem Jahr 2001) kann zum
Selbstkostenbeitrag von CHF 10.- direkt bei Patrick
Koller, Witenwisstrasse 39, 9200 Gossau bestellt werden.
Ein Auszug findet sich sich auf der Homepage vom Stenoverein
St. Gallen.
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| > Vorgeschichte |
> Biografien |
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Stolze ist neben Gabelsberger der bedeutendste deutsche Stenografie-Erfinder.
Stolze wurde in Berlin als Sohn eines Schuhmachers geboren. Nach
der Reifeprüfung war er bei einer Feuerversicherungs-Gesellschaft
tätig (1817 - 1835). Daneben betrieb er Sprachstudien und
erteilte Unterricht darin.
Seine Vorstudien zur Schaffung eines eigenen Stenografiesystems
umfassten alle erlangbaren älteren Systeme sowie die sprachwissenschaftlichen
Arbeiten von Grimm und Wilhelm von Humboldt. Die bedeutendste
Anregung schöpfte er aus der "Anleitung" von Gabelsberger.
1841 veröffentlichte er sein grundlegendes Werk "Theoretisch-praktisches
Lehrbuch der deutschen Stenographie". Hauptgrundsatz war ihm,
alle Laute eines Wortes vollständig zu bezeichnen: Der Buchstabe
muss den Laut, die Regel den fehlenden Buchstaben vertreten. Gegenüber
Gabelsberger vereinfachte er die Anlautvokalisation, neu dabei
war die Einführung der Dreizeiligkeit. Stolzes Verdienst
war es, den Geist der Genauigkeit, der Regelmässigkeit und
der Vollständigkeit in die Kurzschrift eingebracht zu haben.
Damit machte er den Weg frei für sichere und leichtere Erlernbarkeit.
Bereits vor der Veröffentlichung seines ersten Lehrbuches
hatte Stolze damit begonnen, Unterricht in seinem System zu erteilen.
Einflussreiche Schüler setzten sich für das Bekanntwerden
seiner Erfindung ein. Mit ihnen gründete er 1844 den Stolzeschen
"Stenographischen Verein" zu Berlin, die erste stenografische
Vereinigung.
Als Landtagsstenograf war Stolze erstmals 1847 tätig. Kurze
Zeit gehörte der dem stenografischen Büro im vereinigten
preussischen Landtag an, wirkte mit im sog. Unionsparlament in
Erfurt. 1852 wurde er als Leiter des Stenographischen Büros
des preussischen Landtages mit festem Gehalt angestellt. Damit
hatte sich das System Stolze - ursprünglich nur für
die "allgemeinere Verbreitung der Stenografie als Geschäfts-
und Correspondenzschrift" geschaffen - auch in der Aufnahme des
gesprochenen Wortes bewährt.
Ein Jahr nach dem 25-jährigen Jubelfest des Bestehens des
Systems Stolze starb sein Erfinder. Seine Ruhestätte befindet
sich auf dem Domfriedhof zu Berlin, Liesenstrasse.
Ferdinand Schrey trat unermüdlich für die Kurzschrift
ein: als Kurzschriftlehrer, als Praktiker, als Systemtheoretiker,
als Führungspersönlichkeit im Verbandswesen, als Autor
und Verleger eines umfangreichen stenografischen Schrifttums und
vor allem als Erfinder verschiedener Kurzschriftsysteme.
Schrey wurde in Elberfeld geboren. Während seiner Tätigkeit
als Banklehrling widmete er sich intensiven Sprachstudien, so
dass er anschliessend eine Stelle als Korrespondent für Englisch
und Französisch annehmen konnte. Nach dem Krieg 1870/71 folgte
eine Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter in Barmen
sowie eine Teilhaberschaft bzw. Besitz einer Knopffabrik. bis
er 1885 die Agentur für die Hammond-Schreibmaschine übernahm.
Als Alleinvertreter dieser Firma gründete er 1891 sein eigenes
grosses Schreibmaschinengeschäft in Berlin, mit dem er später
seinen stenografischen Verlag verband. Er richtete die erste Ausbildungsstätte
für Stenotypisten - eine Bezeichnung, die er selbst geprägt
hat - ein.
1874 hatte Schrey das System Gabelsberger erlernt. Seine sog. "Solinger
Thesen" (1877) zielten darauf ab, das System Gabelsberger in zwei
Stufen aufzuteilen: in eine Korrespondenz- und Redeschrift. Als
er damit keinen Erfolg hatte, entwickelte er ein eigenes System.
Gemeinsam mit Dr. Johnen, Kurzschrifthistoriker und späterer
Senatspräsident in Düsseldorf, und Dr. Socin, Professor
an der Universität in Basel und Vorsitzender des Gabelsbergerschen
Zentralvereins der Schweiz, gab er das "Lehrbuch der Vereinfachten
Deutschen Stenografie" (Schrey-Johnen-Socin) 1887 heraus.
Nach Einigungsverhandlungen kam es zu einem Zusammenschluss der beiden
Stenografiesysteme Stolze und Schrey. Der Entwurf der "Vereinfachten
deutschen Stenographie, Einigungssystem Stolze-Schrey" wurde am
9. August 1897 in Berlin angenommen und in einer Systemurkunde festgelegt.
In den Systemen Schrey und Stolze-Schrey wurde die reine Auslautvokalisation
durchgeführt. Das System Stolze-Schrey fand weite Verbreitung,
besonders in Norddeutschland, und nimmt heute in der deutschsprachigen
Schweiz den ersten Platz ein.
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